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Ausstellungsarchiv

Übersicht über die letzten Sonderausstellungen

Vom Streben nach Glück

200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika

14.12.2019 - 28.6.2020

Wohlstand, Freiheit, Abenteuer – das waren die Hoffnungen, die über 300.000 Menschen im 19. und 20. Jahrhundert Westfalen dazu bewegten, in den USA ein neues Leben zu beginnen.

Die Wanderausstellung „Vom Streben nach Glück“ veranschaulichte die Geschichte dieser Auswanderungsbewegung, beleuchtete ihre Ursachen, zeichnete Reisewege nach und schilderte Biografien westfälischer Emigranten. Das Spektrum der über 100 Exponate reichte von Fotografien und Postkarten über das Modell eines Auswandererschiffes und Werbeplakate der Reedereien bis hin zu persönlichen Gegenstände von Auswanderern aus Westfalen.

 

Katalog

Vom Streben nach Glück

200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika. (Hg.) LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Willi Kulke. 164 Seiten, Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1616-6, 14,95 Euro

Katalog-Cover

Schrott

Fotografien von Gerd Mittendorf

12.7. - 22.9.2019

Gerd Mittendorf fotografiert aus Leidenschaft – sein favorisiertes Motiv ist „Schrott“. Im Sheddach-Gebäude sind 45 Fotografien des Fotografen zu sehen, der in Radevormwald lebt und arbeitet.

Bei seiner Fotografie setzt Mittendorf vor allem auf Effekte, die durch verschiedene äußere Bedingungen wie Regen, Sonne und unterschiedliche Lichtverhältnisse entstehen. Dabei investiert Mittendorf viel Zeit in eine Aufnahme. Eine Nachbearbeitung seiner Bilder lehnt er ab.

Die Werke wirken mal abstrakt, mal meint der Betrachter ihm vertraute Formen zu erkennen. Vom Zufall arrangiert, von Mittendorf entdeckt, erscheinen Landschaften, Gesichter oder Fabelwesen. So naheliegend der Titel der Ausstellung – „Schrott“ – demnach ist, so fordert er doch ein gewisses Maß an Humor.

Fabrik. Denkmal. Forum

40 Jahre LWL-Industriemuseum fotografiert von Berthold Socha

14.4. - 30.6.2019

Vor 50 Jahren wurde als erstes Industriegebäude des Ruhrgebiets die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV in Dortmund unter Schutz gestellt. Das war die Geburtsstunde der Industriedenkmalpflege. Zehn Jahre später folgte dort die Gründung des Westfälischen Industriemuseums, heute LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur. Das war der Beginn der Industriekultur. 40 Jahre, in denen sich an acht Orten Fabriken in Denkmäler, Denkmäler in Museen und nunmehr Museen in Foren für die Menschen in Westfalen und Lippe wandelten.

Berthold Socha hat diesen Wandel über Jahrzehnte begleitet, als Mitarbeiter der LWL-Kultur, aber auch als passionierter Fotograf. Seine Arbeiten ergründen die skulpturalen Qualitäten der acht Denkmäler, folgen künstlerischen Ansprüchen. In der Gesamtschau liefern Sochas Fotografien heute eine sehr persönliche Sicht auf den langen Weg von der Fabrik zum Denkmal und weiter zum Forum, das wir heute als das LWL-Industriemuseum kennen.

Katalog

Fabrik. Denkmal. Forum

40 Jahre LWL-Industriemuseum fotografiert von Berthold Socha. Hg. LWL-Industriemuseum, Dirk Zache. Dt./Engl. 116 Seiten, Klartext Verlag, Essen 2019, ISBN 978-3-8375-2116-0, Preis: 14,95 Euro

Katalog-Cover

Hidden Costs. Ewigkeitslasten

Fotografien von J Henry Fair

26.10.2018 - 22.4.2019

„Hidden Costs“ zeigt Luftaufnahmen aus aller Welt mit Schwerpunkten in den USA und Deutschland. J Henry Fair fotografiert weltweit jene Wunden, die das Industriezeitalter dem „Blauen Planeten“ geschlagen hat. Fairs ästhetische Fotografien ziehen auf den ersten Blick das Auge an. Beim zweiten Blick folgt der Verstand: Wollen wir so leben?

Die Luftbilder von industriellen (Folge-)Landschaften werden sowohl im Gebläsehaus als auch auf dem Außengelände des ehemaligen Hüttenwerks gezeigt. Für Henry Fair sind Luft, Wasser und Boden unveräußerliche Werte, die allen gehören. Die Industrialisierung versteht Fair als Privatisierung des Unveräußerlichen. Und er zeigt uns die Vergesellschaftung der „hidden costs“. Als Künstler setzt er nicht auf die Überzeugungskraft der bekannten Fakten, Zahlen und Statistiken. Er setzt auf die Macht der Bilder, die in uns die Stimme weckt: „Wollen wir das?“

Abgesang

Arbeiten von Manfred Holtkamp, Jürgen Mans und Knut Waschkau

16.9. - 25.11.2018

„Abgesang“ ist inspiriert von der archaischen Wirkung der Kellerräume des Gebläsehauses mit ihren hallenartigen Gängen und den Spuren industrieller Arbeit. Mit der Ausstellung zieht im Untergeschoss des Gebläsehauses wieder Kunst ein.

Die Arbeiten der drei Künstler aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis würdigen die authentischen Räume mit ihren hallenartigen Gängen und den Spuren industrieller Arbeit und setzen die Architektur neu in Szene. Damit tritt die Kunst in einen Dialog mit dem Raum und lädt ein, dem Vergangenen zu begegnen.

Lange Weile

Auf der Suche nach der leeren Zeit

15.7. - 9.9.2018

Mit dem Ausstellungsprojekt wagt das LWL-Industriemuseum ein interdisziplinäres Experiment. Studierende des Masterstudiengangs Bühnenbild_ Szenischer Raum der TU Berlin haben sich mit dem Thema „Langeweile“ beschäftigt und ihre Ideen und Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Medien umgesetzt.Hinter dem zunächst eher negativ besetzten Begriff der Langeweile eröffnet die Ausstellung eine tiefere Ebene.

„Die ‚leere Zeit‘ kann als Ausgangspunkt für kreative Prozesse dienen, der ‚leere Raum‘ kann Inspiration sein und mit Ideen und Projekten gefüllt werden“, so Johann Jörg, TU Berlin. „Gleichzeitig handelt es sich um einen unterschätzten, einen facettenreichen Begriff dessen Konnotation sich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Ist der Begriff in der eigenen Erinnerung vielleicht eher mit negativen Gefühlen besetzt, als Zeitraum, in dem nichts passiert, in dem sich die Zeit schier endlos in die Länge zieht, wird Langeweile heute vielmehr mit ‚freier Zeit‘ assoziiert und ersehnt. In Zeiten unendlicher Beschäftigungsmöglichkeiten, Zwängen und hoher Arbeitsbelastung ist sie fast schon zum Luxus geworden.“

Ilva

Eiserne Spuren in der Toskana

17.6. - 3.10.2018

Die Toskana ist die Wiege der europäischen Eisen- und Stahlproduktion. Über 3000 Jahre wurde hier „Ilva“ (etruskisch für „Eisen“) hergestellt. Seit den 1960er Jahren befindet sich die Region im Umbruch.

2015 und 2017 haben zwei deutsche Fotografinnen und drei italienische Fotografen Stätten dieses Strukturwandels dokumentiert. Die Spannbreite ihrer Motive reicht von ästhetischen Details über die dokumentarische Totale bis hin zu Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Für die Toskana sind die Aufnahmen großenteils schon heute Geschichte und zeigen, was war, bevor der Bagger kam.

Ende der Schonzeit

Horst Dieter Zinn fotografiert Hattingen

13.5.2017 - 2.04.2018

Im historischen Gebläsehaus werden rund 50 Fotografien des Hamburger Fotografen Horst Dieter Zinn gezeigt. Die Arbeiten entstanden während zweier Projekte 1987 und 2017. Ihr Gegenstand ist ein Ort, der in 30 Jahren Strukturwandel ganz anders wurde: Hattingen.

Der gebürtige Bochumer war 1987 ins Ruhrgebiet zurückgekehrt, um während des Hattinger „Hüttenkampfes“ eine Fotoreportage zu erstellen, die unter dem Titel „Eine Heimat geht bankrott“ in der Zeitschrift „Geo“ erschien. Sein hanseatischer Blick auf das Revier zeigte augenzwinkernd das Klischee der Region. Dieser Blick erscheint aus heutiger Sicht wie aus der Zeit gefallen und zeigt viel Empathie für die Leidtragenden des montanindustriellen Niedergangs.

30 Jahre später war Zinn erneut unterwegs in Hattingen mit einem anderen Blick auf die Stadt und ihre Menschen. Alles ist schneller, urban statt montan. Für Zinn hat das Fotoprojekt zur Klärung seines Heimat-Begriffes beigetragen. Heimat ist für ihn mehr als ein Ort der Erinnerung. Er empfindet sie in der Gemeinschaft der Menschen, bei denen er zu Hause ist. Entsprechend führt sein Blick vom Montanen zum Urbanen, im Fokus immer die Menschen.

Gezeigt werden die Fotografien im Gebläsehaus der Henrichshütte, wo die Spuren von 100 Jahren Arbeit bis heute deutlich zu sehen sind. Gülay Özverim und Frank Schäckermann haben die Ausstellung und den Katalog gestaltet. Insgesamt werden etwa 50 Arbeiten in der Ausstellung gezeigt, im Katalog finden sich über 90 Fotografien wieder.

Katalog

Ende der Schonzeit

Horst Dieter Zinn in Hattingen 1987 und 2017. LWL-Industriemuseum (Hg.): 176 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Hardcover, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-8375-1845-0.

Katalog-Cover

Arbeitskämpfe

Fotografien von Michael Kerstgens

24.5. - 8.10.2017

Die über 80 Fotografien von Michael Kerstgens entstanden zwischen 1984 und 2013 in England, Wales, im Rheinland und in Westfalen.

Das Thema „Arbeitskämpfe“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten von Michael Kerstgens. Den Anfang machte der große „Miners‘ Strike“ in England und Wales, Höhepunkt des unter der Regierung von Margaret Thatcher eingeleiteten Niedergangs der Bergbau- und Stahlindustrie in Großbritannien. Das hatte biografische Gründe, wie Michael Kerstgens erläutert: „Die Fotografien entstanden, weil es mich etwas anging.“

Zurück in Deutschland begegneten ihm ganz ähnliche Bilder - in Rheinhausen, in Hagen und in Hattingen. Die Forderung der Walisischen Bergleute „Coal not Dole“, frei übersetzt „Arbeit statt Stütze“, ließe sich auch auf das Ruhrgebiet übertragen.

Während die Stahlproduktion sich weltweit seit 1985 mehr als verdoppelt hat, ist die europäische Stahlindustrie um 20 Prozent geschrumpft. Der Strukturwandel ist keine lokale Herausforderung - ob Kohle oder Stahl, Wales oder Ruhrgebiet: Die Krise der Montanindustrie ist seit einer Generation international. Michael Kerstgens weitet den Blick von der individuellen, lokalen Betroffenheit zum Verstehen von Mechanismen, die weltweit wirkungsmächtig sind.

Katalog

Zur Ausstellung sind zwei Publikationen erschienen: Coal not Dole. The Miners‘ Strike 1984/85,
sowie: Aufruhrgebiet – Uproar Area, herausgegeben von Michael Kerstgens.

Berührte Landschaften

Fotografien von Udo Kreikenbohm

23.6. - 8.10.2017

Die Ausstellung zeigt etwa 60 Fotografien des in Hattingen bekannten Fotografen Udo Kreikenbohm. Die Arbeiten entstanden 2015 und 2016 auf Touren durch das Ruhrgebiet. Zu sehen sind nicht die touristischen Destinationen, keine Höhepunkte der Industriekultur oder Architektur, sondern jene Zwischenräume, in denen wir uns täglich bewegen.

„Die Erde ist ein Mensch-gemachter Park.“ Dieser Satz des amerikanischen Landschaftsfotografen Michael Light könnte sich gerade auf Ballungsräume wie das Ruhrgebiet beziehen. Udo Kreikenbohm, bekannt als langjähriger Presse-Fotograf in Diensten der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, hat diesen „Park“ in den letzten Jahren intensiv bereist.

Sein Augenmerk galt dabei nicht qualmenden Schloten, Fördergerüsten oder anderen Ruhrgebiets-Klischees wie Ascheplatz, Büdchen oder Männerbäuche in Feinripp-Unterhemden. Der Fotograf war vielmehr dort unterwegs, wo wir uns täglich bewegen: Beim Blick aus dem Küchenfenster oder durch die Windschutzscheibe an der roten Ampel auf dem Weg ins Büro begegnen uns diese Landschaften, die als Weg zum Ziel kaum unsere Beachtung finden.

Udo Kreikenbohm ändert das. Seine Landschaften sind von Menschen befreit. Das ist notwendig, denn der Mensch im Bild reduziert den Raum wiederum nur auf seine dienende Funktion und provoziert die falschen Fragen: Woher kommt diese Frau? Was machen die Kinder da? Wohin fährt dieses Auto? Trotzdem haben die Fotos von Udo Kreikenbohm einen konkreten Raum, doch egal ob Marl oder Hattingen, Duisburg oder Dortmund: Diese Räume sind allgegenwärtig, ihre Orte sind austauschbar.

Gegliedert in die Bereiche Industrie, Urban, Wege, Agrar, Wasser und Fremdes, sind Udo Kreikenbohms „Berührte Landschaften“ als Ausstellung und Katalog erlebbar. Neben dem LWL hat auch die Sparkasse Hattingen beides ermöglicht.

Katalog

Berührte Landschaften

Fotografien von Udo Kreikenbohm. (Hg.) LWL-Industriemuseum, Robert Laube: Essen 2016, 120 Seiten, 14,95 Euro. ISBN: 978-3-8375-1765-1.

Katalog-Cover

Zum Wohl!

Getränke zwischen Kultur und Konsum

6.5.2016 - 17.4.2017

Bier für das Ruhrgebiet, Schnaps für Westfalen – was ist dran an den regionalen Vorlieben für spezielle Getränke? Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten zeichnet die Schau eine „Landkarte“ der Trinkkultur nach. Wasser, Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Tee und Kaffee – das sind die Getränke, die in den letzten 150 Jahren Westfalen-Lippe prägten.


Seit 10.000 Jahren stellen Menschen selbst Getränke her. Die Industrialisierung beeinflusste das flüssige Kulturgut in doppelter Hinsicht: Sie veränderte die Produktion der verschiedenen Getränke sowie deren Rolle in der Gesellschaft.

Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten gibt die Wanderausstellung am Beispiel von Wasser, Limonade, Bier, Schnaps, Wasser, Milch, Kaffee und Tee einen Einblick in die Produktion, das Image und den Konsum des flüssigen Kulturguts im Wandel der Zeit. Welche Rolle spielten Getränke im Alltag? Wie haben sich die Trinkgewohnheiten in den letzten Jahrhunderten verändert? Welche Getränke haben Zuwanderer mit nach Deutschland gebracht? Gibt es typische regionale Trinkgewohnheiten?
Diesen Fragen geht die Ausstellung nach.

Ob Flaschen-Abfüllanlage, Teebeutelpackmaschine, Bauchmelker oder Kaffeeröster: Große und kleine Exponate berichten von Kultur und Konsum der Getränke. Fühl-Bars mit Rohstoffen der Getränkeherstellung und Medienstationen helfen beim Verstehen.

Katalog

Zum Wohl!

Getränke zwischen Kultur und Konsum.
von Mareike Buba, Willi Kulke, Robert Laube, Dietmar Osses, Sven Panthöfer, Jorma Wagner und Theresa Viehoff-Heithorn
Redaktion: Olaf Schmidt-Rutsch hg. v. LWL-Industriemuseum. Essen 2012. ISBN 978-3-8375-746-1. 9,95 Euro

Cover Ausstellungskatalog

TECHNOPHILIA

Gerhard Hahn in der Henrichshütte Hattingen

13.09.2016 - 26.02.2017

Gerhard Hahn experimentiert seit 1996 mit Werkstoffen der Groß- und Schwerindustrie. Werkshallen wandeln sich zu Ateliers für seine Kunstwerke. Sie nehmen durch Hahns Ingenieurwissen und Kreativität Gestalt an, in die der Dialog mit den Industriearbeitern eingeht. In der Henrichshütte präsentiert der 60-Jährige einen Querschnitt seines Schaffens – damit ist „Technophilia“ zugleich eine Retrospektive. Hahns Arbeiten aus Keramik, Eisen, Siliziumcarbid, Folien, Wind und Licht verbergen nicht die Spuren ihrer Produktion. Skulpturen und Wandarbeiten geben Auskunft über ihre Entstehung, zitieren auch gestalterisch den industriellen Kontext. Zugleich gelingt es dem Künstler immer wieder, den anorganischen Werkstoffen gleichsam Leben einzuhauchen: Texturen, Risse, Faltungen, organische Formen und atmende Installationen führen über das Technisch-Handwerkliche hinaus zu Kontemplation, Assoziation und des Künstlers „Sicht der Dinge“. In diesem Sinne steckt in TECHNOPHILIA auch Philanthropisches.

Katalog

TECHNOPHILIA

Gerhard Hahn in der Henrichshütte Hattingen.
LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Robert Laube: 1. Auflage 2016, ISBN: 978-3-8375-1417-9.

Katalog-Cover

Schmelzpunkte

Gemälde von Alexander Calvelli

17.06. - 23.10.2016

„Schmelzpunkte“ stehen für Transformationsprozesse: In Konverter und Elektroofen löst sich alter Schrott auf, bevor er erneut in Form gebracht einem neuen Nutzungszyklus zugeführt wird. Diese Prozesse prägen das Erscheinungsbild des Strukturwandels. Alexander Calvellis realistische Arbeiten aus Metallhütten und Stahlwerken laden zur kritischen Auseinandersetzung mit den Zeugnissen des Industriezeitalters ein.

Der Schmelzpunkt definiert nahezu jegliche Arbeit mit Metallen. Sie werden aus Erzen erschmolzen, umgeschmolzen, in Formen gegossen und geformt. Von der Arbeit mit rotglühenden oder gar feuerflüssigen Massen geht eine unbändige Faszination aus -
Sie findet sich in der kleinen Dorfschmiede ebenso wie im gigantischen Blasstahlwerk.

Alexander Calvelli, Jahrgang 1963, begleitet diesen Prozess seit Jahrzehnten. Grundlage seiner Arbeit sind umfangreiche Fotoserien, die mittlerweile selbst schon erheblichen dokumentarischen Charakter haben. Zwischen dieser dokumentarischen Vor-Arbeit und dem fertigen Werk entwickelt sich die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Motiv.

Der Betrachter sollte sich nicht täuschen lassen, denn Alexander Calvellis nahezu fotorealistischen Arbeiten bilden keineswegs „Realität“ ab, auch wenn sie auf dem ersten Blick den Anschein erwecken. Die Konzentration auf exakt umrissene Konturen konstruiert mit entsprechender Lichtakzentuierung selbst in den großen Stahlwerkshallen eine Tiefenschärfe, die das Auge in der Realität so nicht aufzunehmen vermag. Die Strukturen im Hintergrund behalten Kontur, verschwinden also nicht im Halbdunkel schwacher Beleuchtung oder der von Stäuben und Dämpfen gesättigten Atmosphäre schwerindustrieller Arbeit. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Motiv schließt so die bewusste Verfremdung ein.

Katalog

Schmelzpunkte

Alexander Cavelli - Industriegemälde.
LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Olaf Schmidt-Rutsch, Essen 2016, ISBN: 978-3-8375-1685-2.

Katalog-Cover